Die Geschichte des Apnoetauchens

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Die Geschichte des Tauchens geht auf eine lange Tradition zurück. Diese Geschichte begann mit dem Apnoe- oder Freitauchen, also dem Tauchen mit angehaltenem Atem. Einige archäologische Fundstücke belegen, dass es bereits um 4.500 vor Christi Menschen gab, die das Freitauchen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts betrieben haben. Bevor die Menschen in der Renaissance erstmals ernsthaft mit den ersten Tauchapparaten und -hilfsmitteln zu experimentieren begannen, war das Apnoetauchen der einzige Weg, um an Perlmuscheln, rote Korallen, Schwämme oder andere Meeresfrüchte zu kommen. Zu den ersten heutzutage bekannten Apnoetauchern zählt das Volk der Haenyeo in Korea sowie die japanischen Amas, die bereits vor mehr als 2.000 Jahren nach Schwämmen und Muscheln tauchten. Die Tradition der Amas wird noch heute in Japan fortgeführt. Im Mittelmeer stiegen die ersten Schwammtaucher zu Zeiten des griechischen Dichters Homer im 8. Jahrhundert v. Chr. auf zwanzig bis dreißig Meter hinab, um Badeschwämme zu ernten. Um die Nachfrage der begehrten Badeschwämme, welche im antiken Griechenland zur Reinigung des Körpers genutzt wurden zu decken, verbreitete sich das Freitauchen und die professionelle Suche nach Schwämmen rasch. Auch damals haben schon Apnoetaucher Gewichte zum Abtauchen genutzt, um schnell in die Tiefen von bis zu 30 Metern zu gelangen. Hierzu nutzten die griechischen Freitaucher Skandalopetra, eine Steinplatte, welche zwischen 8 bis 14 kg schwer, hydrodynamisch und abgerundet ist. Diese wurde mit Hilfe eines Seils mit dem Boot verbunden und beim Tauchen wurde der Stein mit beiden Händen gehalten. Um wieder an die Oberfläche zu gelangen, stellten sich die Taucher auf die Steinplatte, welche von einem Bootsmann nach oben gezogen wurde. Diese Technik fand Jahrtausende lang Anwendung. Ebenso bilden die Speertaucher rund um das Mittelmeer den geschichtlichen Hintergrund für die Entwicklung des Apnoesports. Heutzutage hat das Freitauchen seine größte Verbreitung in Form der Unterwasserjagd. Neben den wirtschaftlichen Interessen gab es auch schon sehr bald eine weitere treibende Kraft, die die Kunst des Freitauchens perfektionierte: das Militär. Verschiedene Geschichtsschreiber schilderten in ihren Berichten bereits vor 2.400 Jahren das Wirken der Kampftaucher, deren Aufgabe es war, unter feindliche Boote zu tauchen um deren Rumpf anzubohren, die Ankertaue zu kappen oder auch geheime Botschaften zu überbringen. Als Sparta im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Athenern belagert wurde, ließen sich dessen Einwohner von Tauchern mit dem Notwendigsten versorgen. Ebenso halfen Freitaucher dem griechischen Militär bei einem Angriff auf Syracus (Sizilien) den Schiffen die Unterwasserbarrieren zu durch queren, welche die Schiffe beschädigen sollten.

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Der Grieche Giorgis Haggi Statti war einer der ersten Freitaucher, dessen legendäre Geschichte sich im Jahre 1913 zu zog. Das italienische Kriegsschiff Regina Margerita verlor bei einem Ankermanöver vor der griechischen Insel Karpathos seinen Anker. Nach unzähligen Tauchgängen im Stile der griechischen Schwammtaucher schaffte es der Grieche doch tatsächlich, den Anker in einer Tiefe von ca. 75 Metern zu finden und zu bergen. Das Erstaunliche war der Gesundheitszustand des Griechen vor seinem Tauchgang: 1,75 Meter groß, ca. 60 kg schwer, Puls zwischen 80 und 90 Schlägen, ein Trommelfell war gerissen, das andere komplett weg und seine Lunge hatte ein Emphysem. Aber dennoch war er in der Lage einen Tauchgang in solch eine Tiefe zu bewältigen. Den ersten offiziellen Weltrekord stellte Raimondo Bucher 1949 auf, der damals wettete, er könne auf eine Tiefe von 30 Meter tauchen. Somit war der Kampf um die Tiefe offiziell eröffnet. 1961 tauchte Enzo Maiorca als Erster auf eine Tiefe von 50 Meter. Die magische 100 Meter Marke knackte als erster 1976 Jaques Mayol. 13 Jahre später überraschte Angela Bandini die Tauchwelt und stellte mit einer erreichten Tiefe von 107 Metern sämtliche Rekorde in den Schatten. Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Freitauchern auf einem hohen Niveau, wie sich an der Entwicklung des Apnoesports zum Breitensport zeigt. Weltrekorde werden in der heutigen Zeit nicht mehr im Jahresabstand gebrochen, sondern fast schon im Monatsschritt.

Text adaptiert von HEAD Germany GmbH